Flixbus expandiert in die Türkei: Das Münchner Mobilitätsunternehmen übernimmt nach eigenen Angaben den türkischen Busanbieter Kamil Koç. Flixbus verkündete am Mittwoch eine Einigung mit der dahinter stehenden Actera Group über den Kauf „des renommiertesten Busanbieters der Türkei“. Kamil Koç fährt demnach bisher 61 Städte im Land an und beförderte 2018 über 20 Millionen Menschen.

Flixbus will diese Infrastruktur schrittweise in sein eigenes Netzwerk integrieren. Zu diesem Netz zählen bisher 2000 Ziele in 28 europäischen Ländern und in den USA. Die Münchner betreiben damit nach eigenen Angaben Europas größtes Fernbusnetz und zählten im vergangenen Jahr rund 45 Millionen Fahrgäste.

Die Zustimmung der zuständigen Behörden zur geplanten Transaktion wird in wenigen Wochen erwartet. „Wenn alle Genehmigungen erteilt sind, werden wir daran arbeiten, das Kundenerlebnis noch weiter zu verbessern“, erklärte Jochen Engert, Gründer und Geschäftsführer von Flixbus. So sollten das Streckennetz ausgebaut und „die Fahrpläne auf Basis unserer Algorithmen und zunehmend datengesteuerten Tools bedarfsgerecht optimiert“ werden.

Über die genaue Summe, die bei Übernahme fließen soll, machte das Reisebusunternehmen zunächst keine Angaben.

1926 als Familienunternehmen gegründet, ist Kamil Koç derzeit das älteste Busunternehmen der Türkei. Es verfügt über eine Flotte von 1.100 Bussen und beschäftigt rund 8.000 Mitarbeiter. Kamil Koç gehört außerdem zu den 500 größten türkischen Unternehmen.

Der Fernbusmarkt in der Türkei wird seit Jahren durch den Billigflugsektor beeinträchtigt. Auch der Ausbau der Hochgeschwindigkeitszüge hat zum Passagierschwund beigetragen. Obwohl der Fernbussektor aufgrund des gebotenen Komforts zu den besten der Welt zählt, geriet er zuletzt aufgrund von Sicherheitsmängeln in Verruf. Außerdem trafen die steigenden Spritpreise die Branche schwer.

Zuletzt sind Varan und Ulusoy, zwei der größten Firmen in dem Sektor, 2016 und 2019 insolvent gegangen – dennoch setzt Ulusoy seine Dienste fort. Auch das bekannte Busunternehmen Pamukkale wurde Anfang des Jahres für insolvent erklärt. Aber auch hier läuft der Betrieb noch an.